ALLES (oder fast alles) von der Jimmie Lunceford Big Band

 

Da diese Band nicht nach dem Krieg nach Deutschland kam - sie löste sich 1947 auf - ist sie hier nicht so bekannt wie die von Ellington oder Basie (das ist etwa in Frankreich anders!). Das wäre aber die richtige Kategorie! (Ein direkter Vergleich dieser Bands bei den jeweiligen Jahrgängen fällt eigentlich immer zugunsten der Lunceford-Band aus; sie klingt einfach unglaublich lässig!) Zweifellos wäre ihr von deutschen Kritikern sowieso der Hang zu kompromissloser Unterhaltsamkeit bis zur Albernheit übelgenommen worden... beinharte Jazzfans werden bei diesen köstlichen Gesangstrios vielleicht "igitt" schreien, und der Akzent liegt ohnehin eher auf den großartigen Arrangements - kein Wunder, dass Billy May diesen Stil zwanzig Jahre später kopierte (und - bei allem Respekt - etwas klischeehaft dramatisierte). 

Tolle Nummern dieser Band sind zum Beispiel "Sleepy Time Gal" mit einem unglaublichen Saxsection-Feature (1934 aufgenommen, aber ohnehin eine Spezialität dieser Band), das ein Äquivalent zu "Groove Merchant" von der Jones-Lewis-Band darstellt; oder "My Blue Heaven" (die tiefen Saxophone phrasieren das Thema verblüffend modern; Basssax-lead!), oder "Posin'" mit einem tollen Solo von Joe Thomas, dem unterschätzten Tenoristen der Band, "Muddy Waters", "Four Five Times", "Running a Temperature" (Willie Smith spielt das Thema unglaublich elegant auf dem Alt, und es gibt ein herrliches Klarinettentrio), oder "Coquette", in dem schluchzende Saxophone einen untröstlichen Crooner begleiten (der live ein Babykäppchen tragen musste bei dieser Nummer) und den unglaublich heulsusigen Text veralbern, oder das köstliche "He ain't got Rhythm"... oder das zweiteilige, geradezu boppige "Dinah" von 1940, mit einem seeehr hippen Trummy Young als Posaunist und Sänger.

 Der großartige Arrangeur Sy Oliver ist einer meiner Hausheiligen.